Ein Blick hinter die Kulissen: Wer sind eigentlich unsere SaxoForN Forschungspraxen?

Wie vielfältig hausärztliche Versorgung und die Strukturen der Praxisteam tatsächlich sind, zeigt sich besonders deutlich, wenn man genauer hinschaut. Um besser zu verstehen, unter welchen Bedingungen Forschung im Praxisalltag möglich ist, haben wir innerhalb von SaxoForN umfangreiche Strukturdaten unserer Forschungspraxen erhoben. Zu SaxoForN gehören im Berichtszeitraum das Forschungspraxennetz Allgemeinmedizin Frankfurt am Main (ForN) und das Forschungspraxennetz Allgemeinmedizin Dresden (SaxoN Dresden).

Diese Daten geben Einblick in unterschiedliche Arbeitsrealitäten – von der Praxisgröße über personelle Ausstattung bis hin zu fachlichen Schwerpunkten. Die Auswertung zeigt: Es gibt viele Gemeinsamkeiten, aber auch regionale Unterschiede und individuelle Besonderheiten, die den Alltag in einer Forschungspraxis prägen.

Gerade diese Vielfalt ist wichtig – nicht nur, um Forschungsergebnisse richtig einzuordnen, sondern auch, um unser Forschungspraxennetz gezielt weiterzuentwickeln und Forschungspraxen dort zu unterstützen, wo es am meisten gebraucht wird.

Die hier vorgestellten Ergebnisse beschreiben den Stand von Ende 2025.

 

Strukturelle Vielfalt der Forschungspraxen

Die Vielfalt unserer Forschungspraxen spiegelt dabei die komplexe Realität der hausärztlichen Versorgung wider. Unsere Analyse zeigt, dass Forschungspraxen in ihrer Struktur und Lage äußerst heterogen sind. Während in ForN 37 % der Praxen als Einzelpraxen ohne angestellte Ärztinnen und Ärzte geführt werden, liegt dieser Anteil in SaxoN Dresden bei 59 %. Berufsausübungsgemeinschaften (ForN 30 %, SaxoN Dresden 17 %) und Einzelpraxen mit angestellten Ärztinnen und Ärzte (ForN 22 %, SaxoN Dresden 21 %) sind ebenfalls vertreten. Praxisgemeinschaften spielen eine untergeordnete Rolle, was die Dominanz klassischer Einzelpraxen in SaxoForN abbildet.

Grafik_Praxistypen

Stadt-Land-Verteilung

Die Analyse zur Stadt-Land-Verteilung zeigt, wie sich die Standorte der Forschungspraxen von ForN und SaxoN Dresden auf verschiedene Siedlungsregionen verteilen. Die Ergebnisse bietet einen Einblick in die Zusammensetzung der beiden Forschungspraxennetz-Regionen.

Während in SaxoN Dresen ein hoher Anteil der Praxen in dörflichen Siedlungen mit weniger als 5.000 Einwohnerinnen und Einwohner (EW) angesiedelt ist (28 %), ist dieser Anteil in ForN mit 8 % deutlich niedriger. Umgekehrt sind in ForN deutlich mehr Praxen in größeren Kleinstädten (20.000–100.000 EW) vertreten – nämlich 39 % gegenüber 24 % in SaxoN Dresden. Der Anteil der Forschungspraxen in Großstädten mit mehr als 100.000 EW liegt in ForN bei 29 %, in SaxoN Dresden sind es 21 %. In ländlichen Kleinstädten (5.000–20.000 EW) zeigt sich eine ähnliche Verteilung: 24 % in ForN und 28 % der Praxen in SaxoN Dresden gehören zu dieser Kategorie.

Grafik Stadt-Land-Verteilung

Akademische Lehrpraxen und Weiterbildungsermächtigungen

Die beiden Grafiken zeigen den Anteil an akademischen Lehrpraxen sowie den Anteil der Ärztinnen und Ärzte mit einer Weiterbildungsermächtigung an den Standorten ForN und SaxoN Dresden. Beide Aspekte spielen eine zentrale Rolle, da sie die Einbindung in die akademische Ausbildung sowie die Qualifizierung zukünftiger Hausärztinnen und -ärzte unterstützen.

Akademische Lehrpraxen

Die erste Grafik zeigt den Anteil der Forschungspraxen, die als akademische Lehrpraxen aktiv an der Ausbildung von Medizinstudierenden beteiligt sind. In SaxoN Dresen sind 68 % der Forschungspraxen auch als akademische Lehrpraxis tätig, während es in ForN 55 % sind.

Grafik Akademinsche Lehrpraxen

Weiterbildungsermächtigungen

Die zweite Grafik zeigt den Anteil der Forschungsärztinnen und -ärzte, die über eine Weiterbildungsermächtigung verfügen, also Ärztinnen und Ärzte in ihrer Facharztweiterbildung betreuen dürfen. In ForN haben 75 % der Forschungspraxen eine Weiterbildungsermächtigung, in SaxoN Dresen sind es 68 %.

Grafik Weiterbildungsermächtigung

 

Größe der Praxis anhand des Personals

In der Grafik ist dargestellt, dass die Forschungspraxen in ForN im Durchschnitt mehr ärztliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen. Im Mittel sind dies 2,2, die Spannweite reicht von einer Ärztin/einem Arzt bis hin zu 7 Ärztinnen und Ärzte. In SaxoN Dresden sind im Mittel 1,5 Ärztinnen und Ärzte in den Praxen beschäftigt. Die Spannweite ist zwischen einer/einem und drei Ärztinnen und Ärzte.

Anzahl Ärzt:innen je Praxis

Anzahl der nichtärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter je Praxis

In den Forschungspraxen in ForN sind im Durchschnitt 5,3 nichtärztliche Mitarbeiterinnen beschäftigt. Die Spannweite reicht dabei von einer Mitarbeitenden bis hin zu 15 Mitarbeiterinnen in einer Praxis. In SaxoN Dresden sind die Praxen kleiner, was auch schon aus den vorherigen Grafiken hervorgegangen ist. Hier sind im Mittel 3,3 nichtärztliche Mitarbeiterinnen in den Praxen beschäftigt. Die Spannweite geht von 2 bis 8 Mitarbeiterinnen.

Anzahl nicht-ärztlicher Mitarbeiter:innen

Insgesamt kann man sagen, dass ForN eher durch die größeren Praxen (häufiger Gemeinschaftspraxen, mehr ärztliches und nicht-ärztliches Personal) geprägt ist, währen die Struktur in SaxoN Dresden eher durch kleinere Praxen geprägt ist (häufiger Einzelpraxen mit entsprechend geringerem ärztlichen und nicht-ärztlichem Personal).

PVS-Landschaft in unseren Forschungspraxen

Die Grafik zeigt die Nutzung verschiedener Praxisverwaltungssysteme (PVS) in unseren Forschungspraxen an den Standorten ForN und SaxoN Dresden. Dabei wird deutlich, dass an beiden Standorten eine große Vielfalt an PVS-Systemen eingesetzt wird. In ForN dominieren insbesondere CGM M1 PRO (10 %) und x.concept (10 %). Weitere häufig genutzte Systeme sind Medatixx, MEDISTAR, TURBOMED und x.isynet. In SaxoN Dresden hingegen ist Medatixx das am häufigsten eingesetztes System (14 %). Ebenfalls verbreitet sind hier QUINCY WIN, T2med, TURBOMED und x.comfort (jeweils 11 %). Andere PVS wie ALBIS und DURIA werden an beiden Standorten etwa gleich häufig verwendet.

Auffällig ist, dass bestimmte Systeme stärker regional geprägt sind, was auf lokale Präferenzen oder etablierte Partnerschaften hinweisen könnte. Für die Forschung stellt das jedoch eine Herausforderung dar: Je nach System sind strukturierte Daten unterschiedlich gut zugänglich, was die standardisierte Datenerhebung erschwert.

Grafik Praxisverwaltungssysteme

Wer sind eigentlich die Forschungspraxis-Teams? – Forschungsärztinnen und -ärzte

Altersverteilung unserer Forschungsärztinnen und -ärzte

Die Grafik zeigt die Altersverteilung der Forschungsärztinnen und -ärzte an den beiden Standorten ForN (n = 62) und SaxoN Dresden (n = 35). Der größte Anteil der Ärztinnen und Ärzte in ForN ist über 60 Jahre alt (55 %), während in SaxoN Dresden die Gruppe der 50- bis 59-Jährigen dominiert (46 %). Jüngere Altersgruppen bis 49 Jahre sind an beiden Standorten nur gering vertreten.

Grafik Altersverteilung Hausärzt:innen

Geschlecht

Es zeigen sich deutliche Unterschiede in der Geschlechterverteilung zwischen den beiden Standorten. In ForN sind 59 % der Befragten männlich, in SaxoN Dresden hingegen liegt der Anteil bei 43 %. Der Frauenanteil ist in SaxoN Dresden mit 57 % viel höher als in ForN (41 %).

Grafik Geschlechtsverteilung Hausärzt:innen

Fachärztliche Hintergründe unserer Forschungspraxen

Die Grafik vergleicht die Facharztbezeichnungen der Standorte ForN und SaxoN Dresden. Während in ForN 54 % der Ärzte aus der Allgemeinmedizin stammen, ist dieser Anteil in SaxoN Dresden mit 71 % noch ausgeprägter. Im Bereich der Inneren Medizin zeigt sich ein ähnliches Bild an beiden Standorten (ForN 27 %, SaxoN Dresden20 %).

Grafik Facharztbezeichnungen

Versorgungsschwerpunkte im hausärztlichen Bereich

Die Tabelle zeigt, in welchen Bereichen die Forschungspraxen aus den Standorten Frankfurt (ForN) und Dresden (SaxoN Dresden) Versorgungsschwerpunkte setzen. Auffällig ist, dass bestimmte Zusatzqualifikationen – etwa Akupunktur (ForN 11 %, SaxoN Dresden 26 %), Diabetologie (10 % vs. 20 %), Naturheilverfahren (8 % vs. 17 %) oder Manuelle Therapie/Chirotherapie (5 % vs. 17 %) – im Forschungspraxennetz SaxoN Dresden häufiger vertreten sind.

ForN weist hingegen höhere Anteile in den Bereichen Sportmedizin (ForN 8 %, SaxoN Dresden 3 %), Ernährungsmedizin (ForN 6 %, SaxoN Dresden 0 %) sowie Homöopathie (ForN 5 %, SaxoN Dresden3 %) auf. Einzelne Versorgungsbereiche – z. B. Kneippmedizin, Kinderheilkunde oder Orthomolekularmedizin – sind in beiden Netzwerken nur vereinzelt vorhanden.

Die Tabelle verdeutlicht damit, dass sich in SaxoN Dresden tendenziell ein breiteres Spektrum an alternativen und ergänzenden Behandlungsschwerpunkten abzeichnet. ForN hingegen zeigt in bestimmten Fachbereichen – insbesondere der Sportmedizin – gezielte Spezialisierungen.

Versorgungsschwerpunkte

Frankfurt

Dresden

Akupunktur

11

26

Notfallmedizin

11

17

Diabetologie

10

20

Naturheilverfahren

8

17

Sportmedizin

8

3

Ernährungsmedizin

6

0

Gastroenterologie

6

0

Palliativmedizin

6

11

Psychotherapie

6

14

Homöopathie

5

3

Manuelle Therapie/Chirotherapie

5

17

Geriatrie

3

11

Kinderheilkunde

2

0

Kneipparzt

2

0

Orthomolekularmedizin

2

0

Reisemedizin

2

3

Verkehrsmedizin

2

3

BUB-Arzt / Schlafmedizin

0

3

hausärztliche Versorgung

0

6

Hypertensiologie

0

3

Psychosomatische Grundversorgung

0

3

Spezielle Schmerztherapie

0

3

Telemedizin

0

3

 

 

Arbeitszeit der Forschungsärztinnen und -ärzte

Die Abbildung zeigt die Verteilung der teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte (n = 75) nach Wochenstunden, aufgeteilt nach Standort (ForN, n = 53; SaxoN Dresden, n = 22). Der größte Anteil der Befragten arbeitet 40 bis 49 Stunden pro Woche (ForN 26 %, SaxoN Dresden 41 %). In ForN liegt außerdem ein Schwerpunkt bei 30 bis 39 Stunden (30 %), während SaxoN Dresden hier bei 23 % liegt. Bemerkenswert ist, dass knapp ein Fünftel der ForN-Ärztinnen und Ärzte 60 oder mehr Stunden arbeitet (19 %), während dieser Anteil in SaxoN Dresden bei 9 % liegt. Geringe Wochenstundenzahlen unter 30 Stunden sind in beiden Gruppen selten.

Grafik Wochenarbeitszeit

Wer sind eigentlich die Forschungspraxis-Teams? – Medizinische Fachangestellte

In jeder Forschungspraxis ist mindestens eine Medizinische Fachangestellte speziell für den Bereich Forschung zuständig. Sie übernehmen eine zentrale Rolle bei der Organisation, Koordination und Durchführung der Studien und sind damit unverzichtbar für den Erfolg der Forschungsarbeit. Die folgenden Angaben beziehen sich auf diese „Forschungs-MFA“ in den Praxen. Gemeinsam mit den Forschungsärztinnen und -ärzte bilden die MFA ein eng abgestimmtes Forschungstandem.

 

Altersverteilung unserer MFA

Die Grafik zeigt die Altersverteilung der Medizinischen Fachangestellten an den beiden Standorten Allgemeinmedizin Frankfurt (n = 79) und Allgemeinmedizin Dresden (n = 48). Der größte Anteil der MFA in Frankfurt ist zwischen 50 und 59 Jahren alt (32 %), während in Dresden die Altersgruppen der 40- bis 49-Jährigen (27 %) sowie der 50- bis 59-Jährigen (27 %) gleich stark vertreten sind. MFA unter 20 Jahren sind in beiden Standorten nicht vertreten. Die Altersgruppe bis 39 Jahre sind an beiden Standorten seltener (je 15 %) vertreten. In ForN macht die Altersgruppe der 60-jährien und älteren knapp ein Fünftel aus, während in SaxoN Dresden Mitarbeiterinnen dieser Altersgruppe selten vertreten sind (6 %).

Grafik Altersverteilung MFA

Geschlecht

Die Geschlechterverteilung unter den Forschungs-MFA zeigt ein deutliches Bild: An beiden Standorten, ForN (n = 79) und SaxoN Dresden (n = 48), sind nahezu ausschließlich Frauen tätig (99 % bzw. 100 %). Männliche MFA sind in den Forschungspraxen eine absolute Ausnahme.

Grafik Geschlecht MFA

Berufsabschluss

Die Mehrheit der in den allgemeinmedizinischen Praxen tätigen Forschungs-MFA verfügt über eine abgeschlossene Ausbildung als Medizinischer Fachangestellter bzw. Arzthelferin – in ForN sind es 51 % der Befragten, in SaxoN Dresdensogar 58 %. Weitere Berufsabschlüsse sind seltener vertreten: So arbeiten in ForN 10 % der Befragten mit einem Abschluss als Gesundheits- und Krankenpflegerin oder Pflegefachperson, in SaxoN Dresdenbeträgt dieser Anteil 21 %. Die Kategorie „Andere Abschlüsse“ ist in SaxoN Dresden mit 25 % deutlich stärker ausgeprägt als in ForN (6 %). Besonders häufig genannt wurden dabei beispielsweise Zahnarzthelferin, Kauffrau für Bürokommunikation und Kauffrau im Einzelhandel. Insgesamt zeigt sich ein vielfältiges berufliches Qualifikationsspektrum, das je nach Region variiert. Da Mehrfachantworten möglich waren, summieren sich die Prozentwerte auf mehr als 100 %.

Grafik Berufsabschluss MFA

Zusatzqualifikation

Die häufigsten Zusatzqualifikationen unter den Forschungs-MFA sind die VERAH-Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (ForN 22 %, SaxoN Dresden 31 %) sowie die NäPA/EVA – Nichtärztliche Praxisassistentin (ForN 24 %, SaxoN Dresden 23 %). Weitere Zusatzqualifikationen wie Praxismanagement, Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung oder Physician Assistant werden deutlich seltener genannt. Die Kategorie „Andere“ liegt in SaxoN Dresden bei 13 % und in ForN bei 9 %. Da Mehrfachantworten möglich waren, summieren sich die Prozentwerte auf mehr als 100 %.

Grafik Zusatzqualifikation MFA

Arbeitszeit der Medizinischen Fachangestellten

Die Arbeitszeitverteilung der Forschungs-MFA in unseren Forschungspraxen zeigt ein paar Unterschiede zwischen dem ForN und SaxoN Dresden. Während in beiden Standorten der Anteil der Beschäftigten unter 10 Stunden sehr gering ist (jeweils 2 %), ist in ForN der Anteil der Beschäftigten mit 11 bis 20 Stunden mit 14 % wesentlich höher als in SaxoN Dresden (2%). Dagegen liegt der Anteil der MFA mit einer nahezu Vollzeitbeschäftigung (31 bis 40 Stunden pro Woche) in SaxoN Dresden bei 63 %, deutlich höher als in ForN mit 55 %.

Grafik Arbeitszeit MFA

Übersichtskarte

Übersichtskarte ForN (Stand 2020)

 

Übersichtskarte SaxoN (Stand 2020)